Zeittafel und Geschichte der Stadteisenbahn

 

1821 - Einrichtung der 1. Spinnfabrik mit 165 Beschäftigten

1844 - Einweihung der 1. Fabrik mit Dampfbetrieb

1871 - Forst zählt knapp 9000 Einwohner

1872 - Eröffnung der Strecke Sorau (heute Zary) - Cottbus, womit der Anschluß an den mitteldeutschen Raum entstand, durch die Halle - Sorau - Gubener Eisenbahngesellschaft

1875 - Eingemeindung von Alt Forst, damit wuchs die Einwohnerzahl auf über 14 000

1885 - Forst zählt 18 350 Einwohner; 56 komplette Tuchfabriken, 106 Pachtbetriebe, 32 Lohnspinnereien, Walkereien und Appreturen waren ansässig. Vom gleichen Jahr an bis 1895 verdoppelte sich die hier verarbeitete Menge Wolle und stieg auf 11 Millionen kg jährlich.

1895 - Von 460 Fabrikbetrieben gehören 302 zur Textilindustrie. Forst zählte 25 630 Einwohner.

1891 - Eröffnung der Eisenbahnstrecke Forst - Weißwasser

Der Umschlag der Kohlemengen auf dem Forster Staatsbahnhof nahm unzuträgliche Ausmaße an. Mit Pferdefuhrwerken mußte die Kohle zu den einzelnen Fabriken transportiert werden, was umständlich und teuer wurde. Deshalb sann man seit 1890 nach der Lösung dieses Transportproblems, das letztlich bisher das Anwachsen der Industrie hinderte.

Von den Eisenbahnplänen der Stadt Forst hellhörig geworden, trat die Localbahn AG München (LAG) an den Magistrat heran und erbot sich, allen Fabrikhöfen einen Eisenbahnanschluß zu bieten, zu denen Kohle (und natürlich auch andere Rohstoffe) kostengünstig herangebracht werden konnten. Die LAG baute Eisenbahnen, die sich u.a. in der Spurweite von den herkömmlichen Bahnen unterschieden. Für die Stadt Forst wurde von Anfang an der Rollbockbetrieb in Erwägung gezogen. Das bedeutete, daß Güterwagen herkömmlicher Spurweite auf Rollböcke gesetzt wurden und dann auf einem Gleisnetz mit 1000 mm Spurweite durch Forst gezogen wurden. Dadurch entfiel das umständliche Umladen.

28.7.1892 - Übergabe der Konzessionsurkunde von der Stadt Forst an die LAG

26.10.1892 - Vertragsabschluß „wegen Ausführung des Überführungsgleises und Regelung des gegenseitigen Dienstes". Eine Polizeiverordnung regelte außerdem noch die Verhältnisse der Benutzung der Straße und der Betriebsverhältnisse im Innern der Stadt.

8.5.1893 - Betriebseröffnung; dem Status nach war die Forster Stadteisenbahn eine nebenbahnähnliche Kleinbahn. Im späteren Sprachgebrauch verkürzte man deren Bezeichnung einfach zur „Forster Stadteisenbahn".

1.1.1920 - Die Stadteisenbahn geht in städtisches Eigentum über.

Wegen der Ausdehnung der Stadt hatte die Stadtverwaltung zur flächenmäßigen Erschließung der Stadtteile eine elektrische Straßenbahn im Sinn. Vorgesehen waren die Strecken vom Bahnhof zum Friedhof beim städtischen Krankenhaus sowie vom Stadtteil rechts der Neiße durch die Stadt nach Eulo. Während der Projektierungsvorbereitung bot sich die Gelegenheit, von der LAG die Forster Stadteisenbahn zu übernehmen.

1926 - Angliederung einer Autoabteilung an die bestehende Spedition

1943 - Der städtische Omnibusverkehr kommt hinzu, seitdem nannte sich die Stadteisenbahn „Forster Verkehrsbetriebe".

Februar bis April 1945 - Forst wird von der faschistischen Wehrmacht verteidigt. Die Truppen der sowjetischen Armee bildeten Mitte Februar am jenseitigen Neißeufer einen Brückenkopf. Gegen Ende Februar begann die Beschießung der Stadt; tagelang stand Forst in Flammen, besonders im Zentrum.

16.4.1945 - Die sowjetische Armee setzt zum Sturm an. Die Gebäude der Stadt wurden zu 38% vollständig und zu 50% teilweise zerstört.

1.5.1945 - Die ersten Arbeiten zur Wiederingangsetzung der Industrie begannen. Wesentliche Hilfe bei der Beseitigung der Schutt-und Trümmermassen leistete die Forster Stadteisenbahn. Auf jeweils 2 Rollböcke wurden Kästen aufgesetzt und in das Neißevorgelände an der R.-Wagner-Straße wurde ein Gleis gebaut, auf dem die Trümmer entladen werden konnten.

Bis Jahresende 1945 beförderte die Stadteisenbahn 2000 Wagen mit Kohle und 757 Wagen mit 7359 Tonnen anderer Güter, die zum Ingangsetzen städtischen Lebens ebenso wichtig waren. 100 Wagen waren ständig zum Transport von Schutt eingesetzt. Personenverkehr auf Schmalspurgleisen wurde nicht eingerichtet.

1947 - Die Zentralverwaltung für Verkehr hatte der Deutschen Wirtschaftskommission eine Aufstellung sämtlicher nichtreichsbahneigener Bahnen vorzulegen. Die Gleise der Forster Eisenbahn waren zwar betriebsfähig, aber ausbesserungsbedürftig. Von 8 Lokomotiven waren 5 schadhaft.

Täglich wurden 7 Zugkilometer gefahren mit einer Leistung von 2240 Bruttotonnenkilometern. 56 Personen waren damals bei der Stadteisenbahn beschäftigt.

1962 - Die Stadteisenbahn beförderte 223 000 t Güter; zu dieser Zeit wurde der VEB Kraftverkehr ausgebaut; die allgemeine Motorisierung nahm zu. Damit wurde die „Schwarze Jule", wie die Stadteisenbahn volkstümlich bezeichnet wurde, zum Verkehrshindernis, zudem fuhren LKW des Kraftverkehrs bis in die Fabrikhöfe. Ohnehin erhielt der VEB Kraftverkehr die Kompetenz für den Nahbereich innerhalb von 50 Kilometern.

31.8.1965 - Der Kreistag Forst hatte beschlossen, an diesem Tag den Fahrbetrieb einzustellen und den Betrieb Stadteisenbahn aufzulösen. An diesem letzten Augusttag fuhr zwischen 14.00 Uhr und 15.00 Uhr der letzte Zug der Stadteisenbahn durch die Straßen der Neißestadt, zu dieser Zeit bereits ein Unikum unter den Schmalspurbahnen (des Aussehens der Lokomotive wegen). Die „Jule" gehörte neben Wasserturm und Rosengarten zum Wahrzeichen der Stadt.

Der Stadtbahnhof wurde dann so umgebaut, daß er von der DR direkt betrieben werden konnte. Er dient seitdem als Freiladegleis, Lagerplatz und zur Versorgung der Lagerhäuser.

Das Gebäude des Lokschuppens wurde - welche Symbolik - in eine Kfz.-Reparatur-Werkstatt umgewandelt. Das Personal der Stadteisenbahn ging entweder zur DR oder zum Kraftverkehr über. Die endgültige Stillegung wurde dann am 31.12.1965 vollzogen. 

27.07.2012 - Nach 46 Jahren kehrt die “Schwarze Jule” nach Forst zurück. (Bericht hier)

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Die Forster Stadteisenbahn

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